Und wie sind Sie dazu gekommen, so ein Theater zu machen ... ?

… das werde ich oft gefragt!

I - Regieassistenz

beim "Theater der Veröffentlichung".

Als Regieassistent von Gerd Udo Feller, der die Regie für "Die Frauen in der Volksversammlung" im Innenhof der Glyptothek in München führte, musste ich ein Regiebuch führen. Ich schrieb - während der Probe - in dieses Buch, Wer wohin geht, Was tut, Was sagt, Welche Umbauten nötig sind, Welche Musik Wann gespielt wird, und, und, und ... . was eben in so einem Regiebuch fixiert werden muss. Und weil dies oft eine ganze Menge ist, und weil bei der Nachbereitung nach der Probe mein Gedächtnis manchmal einem kleinen Sieb glich, suchte ich nach einem Schreibtisch-kompatiblen Bühnenraum, um mir das Geschehen zu Hause noch einmal zu vergegenwärtigen. Ich bin ein visueller Mensch.

II - Der Sperrmüll, der heute Wertstoffhof heisst ...

Auf dem Sperrmüll in der Nibelungenstrasse in München (heute ist der korrekte Begriff "Wertstoffhof" - das ist also eine "Recycling Location") fand ich eine Puppenstube, eine Doppelzimmer - Zwei Raum - Puppenstube: Küche und Wohnzimmer durch eine Wand mit Tür voneinander getrennt, zwei Fenster. Die Wand entfernte ich, Mobiliar war keines mehr vorhanden. Ein leerer Raum: „Emty Space". Einfach nur ein leerer Raum. An die Wände dieses "leeren Raumes" befestigte ich ein schwarzes Tuch: "Black Box"!

Ich bin kein guter Bastler und warum auch großen Aufwand betreiben für die Vergegenständlichung der Schauspieler und der Kulisse? Ich nahm Flaschenkorken, um die Schauspieler zu markieren. Irgendeine Schachtel tat es auch für die Kulisse.

III - Die "Kleinste Bühne der Welt" ...

Auf dem Internationalen Kinder und Jugentheaterfestival 1986 auf dem Elisabethplatz in München sah ich dann - das war einige Zeit später - die "Kleinste Bühne der Welt". Jörg Baesecke und Hedwig Rost, die mit einem kleinen Koffer auf dem Schoss, Geschichten, Dramen der Weltliteratur und Märchen spielten und erzählten. Mit Sachen! Das Schilf, durch das die "Kraniche" eines russischen Märchens staksten, war ein Besen mit seinen Borsten himmelwärts .... die Kraniche Flaschenbürsten. Das war genial .... und sehr, sehr inspirierend!

I, II, III …hmmh …

mit dieser Puppenstube, die bei mir zu Hause steht, kann ich ja "richtig Theater" machen ... ?!

Der Beginn meines kleinen Theaters. Sich diesen Kasten - der so groß wie ein Fernseher war, oder eben einem wirklichen Bauchladen glich - vor den Bauch zu hängen, war nur noch ein kleiner Schritt ... : mein BauchLadenTheater!

Als ich dann gefragt wurde, ob ich - als männliche Betreuungsperson - eine Montessori-Schule-Klasse mit ins Schullandheim begleiten wolle, sagte ich "ja" und nahm meine Bühne mit. Es entstand die "Gespenstergeschichte" zusammen mit den Kindern der Klasse.

Ich wurde gefragt, ob ich in diesem oder jenen Kindergarten, in dieser oder jener Grundschulklasse spielen könne ... "Wir heiraten ... hast du Lust zum Fest zu spielen?" ... "Wir machen eine Aktion gegen den Fremdenhass - haben Sie vielleicht ein Stück gegen den Fremdenhass?" - "Nein, habe ich nicht - aber wann brauchen sie es denn?" ... „Ja, bis dahin habe ich es!“ .

Zwischenzeitlich schrieb ich meine Magisterarbeit über das BauchLadenTheater und stellte fest, dass es da zwar nicht viele Theater dieser Art gibt und gab, dass ich aber durchaus nicht allein bin mit diesem Theater.

Ein Freund von mir arbeitete als Sprachenlehrer am Goethe Institut in München. Er fragte mich, ob ich für seine Klasse von gebildeten, aber „der Deutschen Sprache noch nicht ganz mächtigen“ Erwachsenen spielen wolle … ich spielte in seinen Sprachkursen ... dieser Freund ließ sich einige Zeit später nach Kairo versetzen und fragte mich, ob ich dort in Schulen und für eine Aufzeichnung des ägyptischen Schulfernsehens spielen wolle ... na, klar! Und da ich ja in Afrika war, ließ ich es mir auch nicht nehmen in Kairo auf dem Basar zu spielen. Denn dort ist ja eine der Wiegen des Geschichtenerzählens!
Dieser erste Kontakt mit dem Goethe Institut setzte sich fort in einem Projekt zusammen mit senegalesischen Schauspielern, Musikern und Tänzerinnen. Weitere Tourneen durch Ägypten, Israel und Palästina folgten, sowie zuletzt dreimal in das Baltikum: Litauen, Lettland und Estland. 2009 folgte die bisher weiteste Reise: an den Amazonas nach Brasilien. Ponte Cultura hatte zu einem Künstleraustausch eingeladen.

Mit einer „Puppenstube“ Geschichten erzählend in alle Welt. Wenn mir jemand diese Geschichte vorher erzählt hätte … sicher hätte ich sie glaubhaft erzählen können.